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Das liegt an der Parallaxe. Das hört sich kompliziert an. Ist es aber nicht.

Hier zunächst die Erklärung der Parallaxe bei Fotokameras aus deutschen Wikipedia:

„In der Fotografie tritt bei zweiäugigen Kameras, sowohl bei Sucherkameras als auch zweiäugigen Spiegelreflexkameras, ein Parallaxenfehler auf: Der Bildausschnitt im Sucher und das resultierende fotografische Bild stimmen nicht überein. Dieser Fehler wird naturgemäß umso größer, je näher das Objekt gelegen ist.

Teure Kameras haben daher einen Parallaxenausgleich: Die Entfernungseinstellung der Kamera dient nicht nur zur Fokussierung des Objektivs (Schärfe), sondern verändert auch den Winkel zwischen Sucher und Objektiv bzw. die Sucherfeldbegrenzung und kompensiert so den Großteil des Parallaxenfehlers. Völlig frei von Parallaxenfehlern sind lediglich einäugige Spiegelreflexkameras und digitale Kompaktkameras, bei denen der Monitor die Funktion des Suchers übernommen hat oder das Bild des Suchers ebenfalls vom Bildsensor stammt.“

Zurück zur Fuji X100: Das Parallaxen-Problem tritt nur mit dem optischen Sucher auf. Beim digitalen Sucher wird das Bild ja direkt durch das Objektiv betrachtet, also auf der gleichen optischen Achse mit der hinterher auch die Aufnahme stattfindet.

Betrachten wir zunächst, wie sich das Sucherbild in Abhängigkeit von der Entfernung des aufzunehmenden Objekts verändert:

Blick durch den Sucher bei ca. unendlichem Aufnahmeabstand:

Blick durch den Sucher bei ca. 5m Aufnahmeabstand:

Blick durch den Sucher bei ca. 80cm Aufnahmeabstand:

Der farbige Rahmen präsentiert die Darstellung des Rahmens bei der jeweiligen Entfernung. Dabei gilt es auch zu beachten, dass das AF-Feld, obwohl es im Sucher immer mittig angezeigt wird, auch mit abnehmender Entfernung nach unten rechts wandert (Querformat).

Da heißt in der Praxis, dass das AF-Feld nur bei der Entfernungseinstellung auf „unendliche Entfernung“ auch wirklich deckungsgleich in der Mitte liegt. Je näher also die Aufnahmeentfernung ist, desto wichtiger ist es sich daran zu orientieren, dass das AF-Feld eigentlich etwas weiter unten rechts liegt (Querformat) als angezeigt. Sonst kann es schnell passieren, dass man auf Objektive im Vordergrund scharf stellt, die gar nicht vom AF-Feld erfasst werden und in Wirklichkeit auf den Hintergrund fokussiert wird.

Warum zeigt die Kamera das AF-Feld nicht richtig an? Ganz einfach: Bevor scharfgestellt wird, weiß die Kamera nicht, wo sie das AF-Feld (und den Rahmen) darstellen soll, da die Entfernung vor dem Auslösen des Autofokus noch nicht bekannt ist.

Allerdings wäre es für Firmware-Update überlegenswert, ob das AF-Feld nicht zumindestens nach dem Fokussieren richtig dargestellt wird, falls man den Fokus zur Sicherheit dann noch mal korrigieren möchte.

Würde man die Nahgrenze, die der optischer Sucher zuläßt, unterschreiten, dann sähe das Sucherbild so aus:

Theoretischer Blick durch den Sucher bei ca. 40cm Aufnahmeabstand:

Der Sucherrahmen würde nicht mehr mehr komplett angezeigt werden können und das AF-Feld würde soweit neben dem angezeigten AF-Feld liegen, dass man keine Möglichkeit mehr hätte, auch nur grob abzuschätzen, worauf man scharfstellt und wo der eigentliche Bildausschnitt liegt.

Deshalb muss man bei kürzeren Entfernungen auf den digitalen Sucher umschalten.

About The Author

Jens Michael Schuh lebt in Bochum und ist selbständiger Informatiker und Inhaber von TryTec! Microsystems, einem Apple-Systemhaus. Er betreibt zusammen mit Andreas Jürgensen das Systemkamera-Forum und das Fuji X Forum.

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