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Einige von euch sind vielleicht in den letzten Tagen im Forum die Beiträge von Christian Ahrens gestoßen. Er ist zwar schon seit fünf Jahren im Forum registriert, aber erst dieses Jahr richtig aktiv geworden.

Viel positives Feedback hat er im Forum für seine Fuji X-Pro2 Artikelserie in seinem Blog Beruf Fotograf bekommen, in dem er seit einigen Wochen u.a. beschreibt, wie er die Fuji X-Pro2 schrittweise in seinen Arbeitsalltag als Industrie- und Corporate-Fotograf integriert. Interessieren könnten euch z.B. diese Beiträge über:

Da es von Bonn nach Köln nur ein Katzensprung ist, habe ich mich spontan mit Christian verabredet. Unser fast dreistündiges Gespräche war äußerst interessant: Über seinen Werdegang und seine professionelle Arbeit, die Annäherung an das Fuji X System und die Weiterentwicklung professioneller Fotografie. Eine gute Zusammenfassung findet ihr im folgenden Interview, das Christian und ich per Mail geführt haben:

Stell dich kurz vor und – wie bist du Fotograf geworden?

Ich komme ursprünglich aus dem schreibenden Journalismus und habe viele Jahre Unternehmenskommunikation gemacht. Vor  etwa 10 Jahren gab es einen heftigen Bruch in meinem Berufsleben und ich stellte mir die Frage, ob ich einfach so weitermachen wollte wie bisher. Oder ob ich noch einen Traum wahr machen wollte. Ich entschied mich für die Vision, als Berufsfotograf meinen Weg fortzusetzen.

Was machst du als Berufsfotograf?

Ich habe mich für die Industrie- und Corporate-Fotografie entschieden. Das heißt: wir realisieren für Unternehmen, Verbände, Organisationen oder Ministerien Fotoproduktionen, zum Beispiel für Imagebroschüren, Geschäftsberichte, Kommunikationskampagnen und so weiter. Ein besonderes know how haben wir bei Kampagnen zur Mitarbeiter- oder Nachwuchsgewinnung. „Wir“ sage ich deshalb, weil wir im Team produzieren. Zusammen mit meiner Kollegin Silvia Steinbach arbeiten wir als Fotografen-Duo und realisieren praktische alle Aufträge gemeinsam. Hier kann man sich anschauen, wie das funktioniert: www.ahrens-steinbach-projekte.de

Wie bist du auf Fuji X gekommen?

Seitdem Fujifilm 2010 die X-100 vorgestellt hat, bin ich X-Fotograf. Ich mag besonders die Modelle im Sucherkamera- Design und habe mit X-100, XE-1 und XE-2 fotografiert. Bis vor wenigen Wochen allerdings nur meine privaten Bilder oder freie Projekte. Als ich dann bei einer Händlerpräsentation die X-Pro2 ausprobieren konnte, dachte ich spontan: „Hey, das fühlt sich ja richtig erwachsen an“ – und damit meinte ich vorallem Präzision und Geschwindigkeit des Autofokus. An diesem Tag habe mir vorgenommen, die X-Pro2 in der beruflichen Praxis zu erproben. Das hat mich erstmal ganz schön Überwindung gekostet – aber es geht sehr gut. Ich habe jetzt etwa 10 Tagesproduktionen mit der X-Pro2 fotografiert und bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden.

Gibt es Situationen, wo du auf noch auf die Canon zurückgreifst?

Ja, ich hatte zum Beispiel eine Produktion, da haben wir Imagebilder in einem Eishockey-Verein produziert. Da habe ich gekniffen und auf die Spiegelreflexkamera zurückgegriffen. Allerdings nicht unbedingt, weil die Fuji es nicht geschafft hätte, sondern weil mir schlicht die Erfahrung fehlte. Bis man eine Kamera und ihre Möglichkeiten wirklich kennt, dauert es erstaunlich lange. Ich lerne täglich dazu. Beim nächsten Mal werde ich es bestimmt wagen.

Andersherum: Gibt es Bilder, die mit der Canon nicht möglich gewesen wären – aber mit der Fuji X-Pro2?

Jede Kamera hat Eigenschaften, die sich auf die Bilder auswirken. Zum Beispiel bin ich ein Anhänger der Theorie, dass Kameras im Sucherkameradesign „freundlichere“ und „menschlichere“ Kameras sind, weil der Fotograf nicht hinter einem monströsen und bedrohlichen Apparat verschwindet. Das hat Vorteile in der People-Fotografie. Und: die X-Pro2 ist viel kleiner als meine große Spiegelreflex: also kann ich sie besser zum Beispiel in technischen Anlagen platzieren und sie dann ferngesteuert auslösen. Ja, sie hat meinen Berufsalltag bereichert und stellt neue Möglichkeiten bereit.

Gute Bilder sind das eine, aber man will vom Kunden auch ernst genommen werden: Was sagen deine Kunden, wenn du mit einer relativ kleinen Retrokamera aufkreuzt?

„Retrokamera“ finde ich als Begriff eigentlich nicht zutreffend. Für mich ist die X-Pro2 eine Kamera im klassischen Design und mit klassischem Bedienkonzept, das heute genauso gut funktionierte wie zu Zeiten der analogen Sucherkameras. Nur mit viel mehr Möglichkeiten als früher!

Und was das Ernstnehmen angeht: Mich hat bis jetzt niemand darauf angesprochen. Ich finde, dass die X-Pro2 cool und professionell aussieht, das reicht mir. Auf die Ergebnisse kommt es an.

Was macht für dich – mir fällt kein besseres Wort ein – den Spirit des Fuji X Systems aus?

In der X-Serie schwingt für mich emotional die große Zeit der Fotoreporter mit, die mit Kameras, die denen der X-Serie sehr ähnlichen waren, die Welt erforscht und in Bildern darüber berichtet haben. Ich finde, dass Fujifilm sich hier toll platziert und gleichzeitig einen sehr modernen, zukunftsgewandten und sehr „fotografischen“ Weg eingeschlagen hat. Ich fühle mich als Fotograf „verstanden“. Als Industriefotograf bin ich Zeuge der Technologie-Abenteuer unserer Zeit. Ich finde es cool, diese Abenteuer mit einer Kamera zu fotografieren, die mein Herz bewegt und die eine großartige Vergangenheit zitiert und sehr modern interpretiert.

Hat Fuji X die Chance, die Canon / Nikon Dominanz im Profibereich zu brechen?

Ich glaube, dass die Zukunft der Kleinbild-Fotografie ganz eindeutig bei den spiegellosen Systemkameras liegt und Fujifilm liefert das in meinen Augen interessanteste System – und zwar gerade, weil der Hersteller auf das APS-C-Format setzt. Ich bin dankbar für filigranere und leichtere Systeme bei gleichzeitig sehr hoher Qualität und allen fotografischen Möglichkeiten.

Wenn Fujifilm also weiter auch die Berufsfotografen adressiert, wird der Hersteller in diesem Segment zweifellos eine wichtige Rolle spielen können.

Fujifilm macht vieles sehr richtig: das sorgfältig ausgebaute Objektivsortiment zum Beispiel, die Verlässlichkeit und Konstanz in der Produktentwicklung und auch die erkennbare und nachvollziehbare Strategie. Das macht die Marke für Profis interessant, weil man die Konstanz sieht und Vertrauen entwickelt.

Wunschliste für die nächste Kamera?

Ich freue mich auf die Verbesserungen, die zweifellos kommen werden, wie zum Beispiel noch besserer AF, Qualitätsverbesserungen beim Sensor usw. Und ich würde mir eine nochmals verfeinerte Ergonomie bei Schaltern, Knöpfen, Schutzabdeckungen usw. wünschen. Aber ich bin mit dem bisher Erreichten ausgesprochen zufrieden und bin immer noch dabei, das Potenzial der Kamera zu erforschen. Insofern brauche ich erstmal keine neue Kamera. Aber einen Wunsch an die Software-Entwickler habe ich für ein kommendes Firmware-Update: bitte macht es möglich, die ISO auch über Fn-Taste und Menü einzustellen. Und verbessert die Wifi-Möglichkeiten! Das würde mir sehr helfen.

Welche Objektive fehlen noch in der Fuji X Palette?

Wenn die gute Fee zu mir käme, würde ich mir ein Shift-Objektiv im Weitwinkelbereich wünschen. Und ein 7-12mm (kein Fisheye) wäre cool. Das 10-24mm fände ich in einer 2.8er Version ebenfalls nützlich.

Wie siehst du die Zukunft der DSLR, speziell im Profibereich?

Ich glaube: wir erleben einen Paradigmenwechsel. Das DSLR-Konzept wird an Bedeutung verlieren. Die smarten Spiegellosen bieten viele Vorteile und können den Markt der Zukunft gehörig aufmischen. Ich bin neugierig auf diesen Prozess und steige daher frühzeitig mit Fujifilm ein. Hier wird es interessante Entwicklungen geben.

Ungewöhnlich, wenn Profis sich in Foren engagieren, wie erlebst du das?

Ich mag Foren als Kommunikationsform. Sie sind informativ, unterhaltsam und ein sehr feinfühliger Seismograph, was Neuerungen und Entwicklungen angeht. Ich scanne zwei oder drei Foren nach für mich relevanten Informationen und bin dankbar, sie nutzen zu können.

Ich habe im Laufe der Jahre auch immer wieder tolle Leute in Foren kennen gelernt, von denen einige heute meine Freunde und Kollegen sind. Im Fujifilm-Forum ist zum Beispiel Martin Hülle ein schöner Kontakt, mit dem ich gelegentlich korrespondiere und dessen Lebensmission ich großartig finde.

Was ich nicht mag, sind emotional geprägte Kamerasystem- oder Markenvergleiche und die Überbetonung technischer oder formaler Aspekte. Fotografie ist nur zu einem Teil Technik. Was zählt, ist immer noch Bildidee, Ausdruck und Emotion. Und jeder von uns führt ein interessantes Leben, voller Themen, die sich auch fotografisch ausdrücken lassen – die Werkzeuge sind da. Also ran an die Geschichten!

Links zu Christian Ahrens

www.ahrens-steinbach-projekte.de

beruffotograf.wordpress.com

 

About The Author

3 Comments

  1. Hallo Andreas,

    es war mir eine Freude und eine Ehre und hat richtig Spaß gemacht. Ich freue mich schon auf das nächste Treffen!

    Viele Grüße
    Christian

    https://beruffotograf.wordpress.com

  2. […] von Canon und Nikon Profi-DSLR-Systemen mehr oder weniger komplett auf Fuji X umgestiegen sind. Christian Ahrens haben wir schon in einem eigenen Beitrag vorgestellt, jetzt schildert uns Bertram Solcher seine Erfahrungen beim Umstieg von Nikon auf Fuji X. Bertram […]

  3. […] von Canon und Nikon Profi-DSLR-Systemen mehr oder weniger komplett auf Fuji X umgestiegen sind. Christian Ahrens haben wir schon in einem eigenen Beitrag vorgestellt, jetzt schildert uns Bertram Solcher seine Erfahrungen beim Umstieg von Nikon auf Fuji X. Bertram […]

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