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uyuni

Bodensatz der Geschichte

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Der Planet hält eine Vielzahl historischer Orte/Plätze bereit, denen man ihre historische Bedeutung nicht - oder zumindest nicht auf den ersten Blick ansieht. Sie liegen oft nicht in den Zentren von Metropolen, sind "unansehnlich", nicht oder wenig besucht, manchmal schwer zu finden, wirken vordergründig eher langweilig. Gleichwohl weht an diesen Orten noch ein "Resthauch" der Geschichte (zumindest für den, der ihn spüren möchte).

 

Beispiele von Orten, die ich selbst aufgesucht habe, auch bevor ich das Fotografieren anfing:

Das Haus, hinter dem Pablo Escobar erschossen wurde (2011 - Medellin, Kolumbien).

Leo Trotzkis Schreibtisch, an dem er heimtückisch ermordet wurde (1987 - Coyoacán, Mexico)

Siegmund Freuds erste Couch (1990 - Wien, Österreich)

Der Entdeckungsort der Lyme-Borreliose (1985 - Lyme CT, USA)

Wilhelm Reichs Orgonon, seine Wirkungsstätte in den 50ern, als er schon ziemlich abgedreht war.. (2009 - Rangeley ME, USA)

...

 

Dies soll keinesfalls eine "Reiseonkel-Erzählung" sein, sondern lediglich ein Schlaglicht werfen, auf Orte, die ich hier ansprechen möchte.

Orte/Plätze eben, die keine sattsam bekannte Touristenmagnete sind und trotzdem den Blick zurück in unsere Geschichte öffnen können und manchmal (Licht und) Schatten vorauswerfen.

 

 

Vielleicht hat der/die eine oder andere von Euch auch schon solche Orte besucht und Fotos gemacht.

Bilder von solchen Orten sind nicht notwendigerweise fotografische Meisterwerke, meine sowieso nicht...

Andererseits handelt es sich dann um Bilder, die etwas von dem zeigen, was das bloße Auge sieht, aber vielleicht auch etwas von dem, das man nicht sieht.

 

Ich glaube, das könnte ganz spannend sein.

 

Ich würde mich über Eure Beteiligung freuen und fange im nächsten Beitrag einfach einmal an.

 

Herzliche Grüße

 

uyuni

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Buenos Aires, Argentinien - 08. Oktober 2013

Das erste und das zweite Bild zeigen das Grundstück, wo bis zum Jahr 1960 das Haus von Adolf Eichmann stand.
Nach seiner Entführung am 11. Mai 1960 wurde es von der Stadt Buenos Aires gekauft und das Haus abgerissen, um keine Nazi-Wallfahrtsstätte entstehen zu lassen.

Das dritte Bild zeigt die unmittelbare Nachbarschaft in der bereits damals nicht sonderlich wohlhabenden Gegend.

Das vierte Bild zeigt die noch heute existente Bushaltestelle, an der dem Mossad vor 53 Jahren der Zugriff gelang.

Auch wenn das alles sehr nichts sagend aussieht, so hatte ich doch diese Gedanken an das was letztlich bleibt von einem Weltverbrecher und Massenmörder:
Ein grasbewachsenes, vermülltes stacheldrahtbewehrtes Grundstück in einem heruntergekommenen Vorort in BA und ein wenig Asche in den Hügeln um Jerusalem.
Sozusagen einer der wenigen Orte der Gerechtigkeit.

Edited by uyuni

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Hier zeigt sich meine Unerfahrenheit in diesem Forum:

 

Wenn man die Beteiligung anderer wünscht, muss man hier ja wohl "Jekami" in die Titelzeile schreiben, was hiermit geschehen ist.

Entschuldigung, ich Dussel...

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Buenos Aires, Argentinien - 08. Oktober 2013

 

Das erste und das zweite Bild zeigen das Grundstück, wo bis zum Jahr 1960 das Haus von Adolf Eichmann stand.

Nach seiner Entführung am 11. Mai 1960 wurde es von der Stadt Buenos Aires gekauft und das Haus abgerissen, um keine Nazi-Wallfahrtsstätte entstehen zu lassen.

 

Das dritte Bild zeigt die unmittelbare Nachbarschaft in der bereits damals nicht sonderlich wohlhabenden Gegend.

 

Das vierte Bild zeit die noch heute existente Bushaltestelle, an der dem Mossad vor 53 Jahren der Zugriff gelang.

 

Auch wenn das alles sehr nichts sagend aussieht, so hatte ich doch diese Gedanken an das was letztlich bleibt von einem Weltverbrecher und Massenmörder:

Ein grasbewachsenes, vermülltes stacheldrahtbewehrtes Grundstück in einem heruntergekommenen Vorort in BA und ein wenig Asche in den Hügeln um Jerusalem.

Sozusagen einer der wenigen Orte der Gerechtigkeit.

 

Die Idee deines Threads finde ich sehr gut, weil er die Geschichte um das Bild in den Mittelpunkt rückt. Da die Welt voller solcher Plätze ist, sollte der Stoff hier nicht ausgehen. Und einen guten Anfang hast du auch gemacht.

 

H

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Budapest (Dezember 2013).

Eben hier wurde 1946 Ferenc Szálasi auf Geheiß der sowjetischen "Siegerjustiz" hingerichtet und sein Körper danach der Öffentlichkeit zur Schau gestellt.

Ich weiß, ein wenig gruselig und das Foto ist auf den ersten Blick nichtssagend; aber ich mag ja die " hinter dem Bild verborgene" Geschichte".

 

Nach meinem Streifzug am späten Nachmittag des zweiten Weihnachtsfeiertags hatte ich mich noch ein wenig mit der Anästhesistin und dem Rettungssanitäter aus der schräg gegenüberliegenden Rettungswache unterhalten (zweites Bild).

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U-Boot-Bunker und -Werft Finkenwerder II

 

Aufgenommen am 22. Juni 2014. X100s

 

Seine Entstehung ist begründet auf die Arbeit von zahl- und namenlosen Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, von denen unzweifelhaft viele ihr Leben ließen.

Heute ein trauriger und kaum beachteter Ort am äußersten Rand der Freien und Hansestadt Hamburg, vom angrenzenden Airbus-Gelände nur durch eine Flutschutzmauer getrennt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fink_II

Edited by uyuni

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Eine interessante Idee uyuni, da mache ich gern mit.

Das erste Bild ist eine Hommage an den Kontinent deines Herzens

 

Eine Passantin wird vom Fernsehsender am 15.12.2013 in Iquique zur Wiederwahl der sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet befragt. Bachelet wurde während der Pinochet Diktatur in Potsdam Kinderärztin. Wenig später wurde Iquique Schauplatz eines schweren Erdbebens, bei dem sich die Präsidentin für die Stadt einsetzte.

Eine ihrer Vorgänger im Amt hat auch die Geschichte Iquiques geprägt. http://de.wikipedia.org/wiki/Pedro_Montt_Montt

Er hatte auch mit Deutschland zu tun. Er starb hier.

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zwei Fotos aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft.

die Geschichte dahinter hier http://www.berlin-minsk.de/#!/static/berlin_synagoge

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22. Juni 2014 - Keller der Volksschule (heute KITA) - Bullenhuser Damm 92 - Hamburg Rothenburgsort

 

Eben hier wurden in der Nacht zum 21. April 1945 zwanzig jüdische Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren grausam ermordet, nachdem sie bereits zuvor Opfer "medizinischer" Experimente geworden waren.

Mit ihnen starben an diesem Ort ihre vier Betreuer (zwei französische Ärzte und zwei niederländische Widerstandskämpfer) und vierundzwanzig sowjetische Häftlinge des KZ Neuengamme.

 

Einer der Hauptschuldigen wurde zeitlebens nicht zur Verantwortung gezogen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_Strippel

 

Die Geschichte ist unter anderem hier nachzulesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bullenhuser_Damm

 

Es existiert offenbar auch ein Film des späteren Tribunals:

http://www.nytimes.com/movies/movie/430358/Das-Tribunal-Mord-am-Bullenhuser-Damm/overview

Weiß jemand, wo man ihn finden/herunterladen/als DVD/CD kaufen kann?

Edited by uyuni

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Platz der Trauer, heute plaza major in Cuzco.

Warum der Platz so hieß, ist verlorengegangen.

Er liegt dem kleineren Platz der Freude gegenüber.

Den Platz der Freude umspannte eine 240 m lange Goldkette.

Diese wurde dem spanischen König gesendet, kam aber nicht an.

Das Schiffswrack wurde auch nicht gefunden.

Es gibt viele Thesen um diese beiden Plätze, gewiss ist kaum etwas.

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bis 1945 KZ Columbiadamm in Berlin

heute Kleingarten, im Hintergrund ist eine Anlage zum Abhören von Mobiltelefonen zu sehen

Edited by phototaxi

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War Room des ehemaligen Hauptquartiers der amerikanischen Streitkräfte in Europa.

 

Bis 2014 waren die Campbell-Barracks in Heidelberg das Headquarter der USAREUR (US Army Europe). Von diesem Raum aus wäre der Einsatz im Kriegsfall koordiniert worden.

 

Seit einem Jahr steht die Kaserne (Baujahr der Grundkaserne 1936, dann folgten viele Anbauten/Erweiterungen) nun leer, die historische Bausubstanz soll erhalten werden. Im Gebäude des War-Rooms sind die Fenster alle zugemauert, zu Betriebszeiten war der Zugang unmöglich.

 

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Während ihrer Jungfernfahrt lag die RMS Titanic am 11. April 1912 vor Queenstown auf Reede. Es wurde der letzte Hafen, den sie anlief.

 

Hier ist immer noch der Anleger zu sehen.

 

 

 

 

In Cobh habe ich meinem Schatz auch gleich noch ein Geschenk gemacht

 

 

Mehr zum Thema Cobh - Queenstown - http://de.wikipedia.org/wiki/Cobh

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Bremen, Blocklander Hemmstraße, an einem ziemlich düsteren Novemberabend 2014, Ort der Blocklandmorde 69 Jahre zuvor.

Das erste Bild zeigt das, was vom "Hof Kapelle" noch heute zu sehen ist, das zweite den Eingang zum "Ort der Tat", in den ich durch das ganze Dornengestrüpp fast hineingestolpert wäre...

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Blocklandmorde

Edited by uyuni

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Aufgenommen in Norditalien am 2. Mai 2015 um die Mittagszeit

 

An ebendieser Mauer der Villa Belmonte in einer Nebenstraße in Guilino di Mezzagra am Comer See wurden am 28. April 1945 Benito Mussolini und seine Geliebte Clara Petracci hingerichtet, bevor man ihre Leichen auf einem Lastwagen nach Mailand brachte und dort kopfüber am Dach einer Esso-Tankstelle an der Piazzale Loreto hängend der wütenden Öffentlichkeit zur Schau stellte. Jeder kennt dieses berühmte Foto; der Ort des Todes hingegen ist längst nicht so bekannt...

Der Ort ist ein wenig gruselig: Frauen bekreuzigen sich beim Passieren der Villapforte; nähere Nachbarn, die man nicht sieht, haben große Duce-Fahnen ("DVX") auf dem Balkon.

Man sieht niemanden richtig, fühlt sich gleichwohl beobachtet....

 

 

Edited by uyuni

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Der Kreuzstadl, einer der Schauplätze des Massakers von Rechnitz in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945, Burgenland AT, zwei Kilometer von der ungarischen Grenze.

Aufgenommen im November 2014

 

 

Reste des Schlosses, auf dem der Tanz auf dem Vulkan stattfand, heute:

 

Edited by uyuni

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Danke schön, phototaxi, llchtschacht & VolkerK .

 

Freue mich immer, wenn jemand gelegentlich wieder in diesen Thread hineinschaut, auch wenn meine eigenen Exponate hier zumindest fotografisch anderen nicht immer das Wasser reichen können.

 

Herzliche Grüße

 

Bernd

Edited by uyuni

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