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Da dies mein erster Beitrag im Forum ist, zunächst eine kurze Vorstellung:

Ich fotografiere seit etwa 40 Jahren; zunächst analog mit SLR Olympus OM2n und Mittelformat-Rollei, danach hauptsächlich digital mit Canon APS-C DSLRs und einigen Panasonic Reisekameras der TZ-Reihe (zuletzt TZ101). Selbst Physiker, nutze ich die astro-modifizierten DSLRs auch gerne für die Astrofotografie. Allerdings hat Canon in den letzten Jahren insbesondere bei den APS-C Sensoren den Anschluss an die mit Sony-Sensoren bestückte Konkurrenz verloren. Mehr durch Zufall bin ich vor einem halben Jahr auf die Fuji X-A1/A2 gestoßen, die bei sehr günstigem Preis in nahezu idealerweise die Anforderungen an die Astrofotografie, aber auch an die allgemeine Available-Light-Fotografie erfüllt:

1)      Sensor mit hoher Empfindlichkeit (nahezu ISO-los), hohem Dynamikbereich und nicht zu hoher Auflösung (die Auflösung wird ohnehin mehr durch die Nachführung bzw. die Stativstabilität bei Wind bestimmt)

2)      Hohe Rotempfindlichkeit im Bereich der Halpha-Linie des Wasserstoffs bei 656nm macht einen Sensorumbau obsolet

3)      Kompakt und geringes Gewicht (wichtig für Astro-Reisen und die Adaptierung an einen Fernrohrauszug).

4)      Tilt-Screen (ein EVF ist hier nicht unbedingt nötig, da er ohnehin den OVF einer DSLR nicht ersetzen kann)

5)      Verfügbarkeit hochwertiger, lichtstarker und leichter Festbrennweiten zu akzeptablen Preisen

6)      Geringes Auflagemaß erlaubt über die Verwendung von Adaptern auch die Verwendung nahezu aller manuellen Fremdobjektive

7)      Video- und AF-Fähigkeiten, sowie IBIS sind für Astro- und Available-Light-Fotografie unnötig und erhöhen nur den Preis bzw. im Fall von IBIS auch das Gewicht und Größe. Außerdem verschlechtert IBIS die thermische Wärmeabfuhr des Sensors und erhöht so bei Langzeitbelichtungen das Rauschen.

Viele dieser Eigenschaften erfüllt auch eine Sony A6000, A6300, A7 oder A7S. Allerdings besitzt Sony seit einiger Zeit das Star-Eater-Problem und fällt daher weg. Aufgrund der geringen Restpostenpreise von vor einem halben Jahr, habe ich mir eine Fuji X-A1 für 150 EUR und eine Fuji X-A2 im Set mit XC 16-50 und XC 50-230 für 450 EUR gekauft. Das erste XC 16-50 war dezentriert und musste durch ein zweites Exemplar getauscht werden. Für die Astro- und Available-Light-Fotografie wurde ein Samyang 2.8/8mm und ein Samyang 2.0/12mm für jeweils ca. 250 EUR gekauft. Auch das erste 2.0/12mm Samyang war dezentriert und wurde anstandslos getauscht. Hinzu kam jüngst ein 1.2/35mm von Samyang, das aber am Rand (auch leicht abgeblendet) nicht ganz so scharf zeichnet wie erwartet, obwohl es nicht dezentriert ist. Ein Großteil der Ausgaben wurde durch den Verkauf der  analogen Ausrüstung und von Teilen der Canon- Ausrüstung wieder ausgeglichen.

Im letzten halben Jahr habe ich wetterbedingt hauptsächlich Available-Light-Fotografie betrieben und bin mit der Hardware, bis auf die eingeschränkte Lupenfunktion des Life-Views und der höheren  Blooming- und Ghosting-Anfälligkeit des Sensors zufrieden.  Lediglich mit dem beigefügten RAW-Konverter von Silkypix bin ich nicht zufrieden. Von Canon war ich es gewohnt, dass sich die Einstellungen an der Kamera eins zu eins in der Software wiederfinden lassen und auch die resultierenden Bilder praktisch identisch waren. Bei der Fuji ist das JPG aus der Kamera eindeutig besser, als das bei unveränderten Einstellungen entwickelte RAW. In der Kamera Verwende ich normalerweise die Einstellungen Farbe -1, Rauschen 0 und Schärfe 0. Die resultierenden JPGs sind zwar relativ stark entrauscht und geschärft, aber ohne dass das Ergebnis zu übertrieben oder unnatürlich wirken würde. Anders als die bei unveränderter Einstellung mit Silkypix entwickelten RAWs. Diese wirken flau, da im Vergleich zu stark entrauscht und weniger geschärft wird. Trotzdem zeigt sich in manchen Strukturen Moiré. Durch entsprechende Einstellungen im RAW-Konverter lässt  sich das Ergebnis zwar verbessern, ohne das Kamera-JPG aber zu erreichen. Außerdem bleibt das Moiré-Problem. Da ich aber bei der Weiterverarbeitung auf ein Datenformat mit hoher Farbtiefe angewiesen bin (16bit TIFF), begann die Suche nach einem entsprechenden RAW-Konverter. Konkret habe ich Lightroom und Capture One 11 in den aktuellen Testversionen ausprobiert. Lightroom zeigt bezüglich der Bildqualität die gleichen Schwächen wie Silkypix. Überzeugen konnte mich bisher lediglich Capture One. Die Ergebnisse sind praktisch identisch mit dem Kamera JPG. Daher werde ich wohl die Testversion nach 4 Wochen kostenpflichtig freischalten.

Ich habe ein Beispielfoto mit den entsprechenden 100% Ausschnitten angefügt. (Bilddaten: Fuji XC 16-50mm bei 16mm und Blende 7,1 / 400ASA / 1,3s. Wie sind eure Erfahrungen bezüglich der RAW-Konverter?

Ich werde auf jeden Fall bis auf weiteres bei Fuji bleiben. Falls die neue X-A5 den Sensor der Sony A6300 erhält, wäre dies für später eine Option. Andernfalls wäre eine X-T20 oder deren Nachfolger denkbar. Bei der XT-3/30 erwarte ich einen 28MPixel BSI-Sensor, der aber nur dann in Frage kommt wenn er besser als der bisherige 24MPixel Sensor, bezüglich DR und Low-Light ISO ist. Ideal wäre ein RGBW-Farbfilterfeld; aber das wird wohl ein Traum bleiben; vor Allem, wenn Fuji bei den höherwertigen  Modellen wie zu erwarten bei der X-Trans-Technologie bleibt.

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Größter Vorteil der A-Serie dürfte sein, dass Programme wie Fitswork auf BAYER ausgelegt sind, und man somit direkt mehrere RAWs überlagern kann - was leider mit X-Trans nicht geht, zumindest klappt es bei mir nicht...

Ich liebäugle daher auch mit einer A5 speziell für diesen Zweck. Zumindest mal würd ich gern ausprobieren, wie sie im Vergleich zu meiner T2 abschneidet...

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Nach den wenigen aussagekräftigen Tests, die bisher im Internet zur X-A5 veröffentlicht werden, scheint jetzt klar zu sein, dass die X-A5 den gleichen Sensor wie die X-A3 hat.

Habe mir daraufhin als Ergänzung zu meiner X-A1 und X-A2 jetzt ein Fuji X-T20 Gehäuse bestellt, dass man jetzt auch schon ab 600 Euro bekommt.

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Kann nunmehr nach dem Urlaub auf Teneriffa und dem STATT 2018 (Sankt Andreasberger Teleskoptreffen), meine Aussagen aus dem Eröffnungspost nochmal weitestgehend bestätigen.

Lediglich Position 2 muss ich ein wenig relativieren:

Zitat

2)      Hohe Rotempfindlichkeit im Bereich der Halpha-Linie des Wasserstoffs bei 656nm macht einen Sensorumbau obsolet

Nach Testaufnahmen mit Raumbeleuchtung durch eine rote 660nm LED  und Vergleichsaufnahmen mit meiner bereits modifizierten Canon EOS1100d, kann ich sagen, dass ein Sensorumbau sich auch bei der Fuji X-A1 lohnt. Man gewinnt zwar nur 0,7 Lichtwerte, gegenüber 1 LW bei der Canon, aber auch dies bedeutet nahezu eine Halbierung der benötigten Belichtungszeit. Ferner sieht man, dass Fuji die ISO-Empfindlichkeit optimistisch angibt. Auch hier liegen etwa 0,7 LW zwischen Canon und Fuji (ISO800 bei Canon entsprechen etwa ISO1250 bei Fuji). Trotzdem ist die Fuji aufgrund des größeren Dynamikumfangs und des niedrigeren Rauschens eindeutig die bessere Astro-Kamera.

Siehe auch hier: https://www.fuji-x-forum.de/topic/31956-astro-fotografie-ohne-teleskop/?page=4

Gruß Ralf 

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Der Umbau meiner Fuji X-A1 liegt jetzt ein halbes Jahr zurück und bei dem nasskalten Wetter draußen lag es nahe einmal das Rauschverhalten mit meiner neueren Fuji X-T20 zu vergleichen.

Da man bei der Astrofotografie in der Regel längere Aufnahmeserien zwecks Stacking der Bilder betreibt, spielt hierbei die Sensorerwärmung eine nicht unbeträchtliche Rolle. Da neuere Kameragenerationen aufgrund der leistungsfähigeren Prozessoren und der höheren Auflösung einen durchaus höheren „Stromhunger“ haben, wäre eine daraus resultierende höhere Sensortemperatur und damit verbunden höheres Rauschen durchaus möglich.

Außerdem sollte hierbei der optimale ISO-Bereich gefunden werden.

Die Sony-Sensoren sind zwar fast ISO-los; aber eben nicht ganz. Laut photonstophotos.net hat die Fuji X-A1 die maximale „Shadow-Improvement“ bei ISO2500 und gewinnt hierbei ca. 0,5LW gegenüber ISO200. Bei der Fuji X-T20 sind die entsprechenden Werte ISO1000 und ebenfalls 0,5LW. Deswegen habe ich Dunkelbilder bei ISO200 über 30min, ISO2500 über 20min (X-A1) und ISO1000 über 20min (X-T20) gemacht und verglichen. Die Raws wurden mit Capture One entwickelt. Wobei Rauschminderung und Schärfung auf die minimalen Werte reduziert wurden. Die Belichtung der ISO200 und ISO1000 Bilder wurden um 3,66 bzw. 1,33LW angehoben um sie mit dem ISO2500 direkt vergleichen zu können.

Dunkelbild 200% Crop Fuji X-A1bei ISO200 30min belichtet und 3,66LW gepusht.

 

Dunkelbild 200% Crop Fuji X-A1bei ISO2500 20min belichtet.

Insbesondere die blauen Hotpixel treten bei ISO2500 etwas stärker hervor, aber durchaus noch vertretbar.

(Fortsetzung folgt)

 

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Dunkelbild 164% Crop Fuji X-T20 bei ISO200 30min belichtet und 3,66LW gepusht.

 

Dunkelbild 164% Crop Fuji X-T20 bei ISO1000 20min belichtet und 1,33LW gepusht .

Bei den Dunkelbildern der X-T20 handelt es sich um 164% Crops damit gleiche Auflösungen verglichen werden und die X-T20 durch deren höhere Auflösung nicht benachteiligt wird.

Die X-T20 zeigt bei ISO200 zwar nur wenige farbige Hotpixel aber insgesamt etwas mehr und weiße Hotpixel. Auffällig sind zudem viele längliche Hotpixel, die aber offenbar Artefakte des verwendeten Capture One Raw-Konverters sind. Der zum Vergleich den Kameras beigelegte RAW File Converter EX 2.0 zeigt aber die gleichen Artefakte, wenn auch nicht reinweiß sondern leicht grünlich. Dies könnte die Ursache für die vielfach geschilderte Würmchenstruktur in dunklen grünen Flächen sein. Bei ISO1000 verstärkt sich dieser Effekt sogar noch, kommen doch noch rote und blaue Hotpixel hinzu. Außerdem kann man bei der X-T20 in der Vollansicht relativ starkes magentafarbenes Verstärkerglühen am linken Bildrand sehen. Bei der Fuji X-A1 ist es nur ganz leichtes blaues Verstärkerglühen. Man kann also insgesamt sagen, dass die X-A1 bei Langzeitbelichtungen und langen Aufnahmeserien ein besseres Rauschverhalten zeigt und durch deren Bayer-Sensor weniger Artefakte zeigt.

Wie kann das sein, da doch die neueren Sony-Sensoren in Tests regelmäßig ein besseres Rauschverhalten zeigen als die älteren Generationen. Ursache könnten wie eingangs vermutet die höheren Sensortemperaturen bei Langzeitbelichtungen bei den neueren Sensor- und Kamera-Generationen sein.

(Fortsetzung folgt)

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Dies wollte ich genauer untersuchen und habe die Sensortemperaturen unter verschieden Bedingungen mit einem Infrarot-Thermometer (Messfeld Ø12mm bei 20cm Abstand) mit folgendem Aufbau zeitabhängig gemessen.

Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich:

1) Der Life-View führt zu deutlich höheren Temperaturen als die Langzeitaufnahmen selbst und das auch, wenn man, wie bei der X-T20 möglich, beide Displays ausschaltet (offenbar wird der Sensor und Bildprozessor auch dann weiter betrieben)

2) Für die Temperaturentwicklung ist der eingestellte ISO-Wert (auch im Life-View) unerheblich

3) Bei der X-T20 ist der Temperaturanstieg in allen Betriebszuständen höher als bei der X-A1

4) Ein ausgeklapptes Display bringt deutliche Verbesserungen

5) Eine externe Stromversorgung bringt nur geringfügige Verbesserungen

6) Ein zusätzlich rückseitig angebrachter Fingerkühlkörper bringt messbare Verbesserungen

7) Die reine Bildansicht führt zu dem geringsten Temperaturanstieg

Daraus ziehe ich für die Astrofotografie folgende Schlüsse:

• Neue, hochauflösende und schnelle Sensoren und Kameras sind aufgrund der in der Regel höheren Eigenerwärmung eher schädlich als nützlich

• Maßnahmen 4, 5 und 6 werden bei der Astrofotografie zukünftig berücksichtigt

• Die Bildansicht nach der Aufnahme wird auf zeitlich unbegrenzt gestellt

• Die Kamera wird immer ausgeschaltet, wenn sie gerade nicht benötigt wird

Einige dieser Punkte sind auch bei der normalen Available-Light-Fotografie durchaus sinnvoll zu beachten, denn nach den Gesetzen der Thermodynamik sollte sich das Rauschen bei einer Temperaturerhöhung um 10°C etwa verdoppeln.

Zusätzlich werde ich noch Versuche mit einem externen Peltierkühler machen, der von der ohnehin vorhandenen externen Batterie versorgt werden kann.

Zudem könnte der starke Temperaturanstieg im Laufe von Langzeitbelichtungen Probleme bei einem internen Dunkelbildabzug Probleme bringen, da das Dunkelbild aufgrund der dann vorliegenden höheren Temperaturen stärker rauscht. Und in der Tat ist bei der X-A1 das resultierende Bild mit internem Dunkelbildabzug stärker verrauscht, wenn auch einige Hotpixel verschwinden.  Die X-T20 nutzt offenbar einen intelligenteren Algorithmus und die auffälligen weißen Störpixel verschwinden fast vollständig, ohne dass nennenswertes Rauschen hinzukommt.  In der Astrofotografie verwende ich bei Nachführung mit Autoguiding (allein schon wegen der Zeitersparnis) nur den nachträglichen Dunkelbildabzug bzw. verzichte bei mobiler Nachführung oft ganz auf den Dunkelbildabzug (hier werden schon allein durch den zwangsläufigen Bildversatz die Hotpixel reduziert).

 

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Zeigt schön, weshalb leistungsstarke Kameras (auch solche mit kleineren Sensoren) größere Gehäuse mit guter Wärmeableitung brauchen. Sensor und Processor heizen. Bei der X-T3 wurde die Heizleistung des Prozessors gottlob reduziert, was sich auch auf die Sensortemperatur auswirken sollte. Bin gespannt, was bei einer Messung mit der X-T3 herauskommt. Aber auch eine X-T2 und X-H1 im Vergleich zur kleinen X-T20 wäre interessant.

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Der Vergleich wäre interessant, leider kann ich nur auf X-A1, X-A2 und X-T20 zurückgreifen. Neue Prozessoren (wie bei der X-T3) sind zwar energieeffizienter haben aber auch eine entsprechend höhere Rechenleistung, so dass die Abwärme oft gleich bleibt. Die X-H1 hat zwar das größte Gehäuse, könnte aber durch den IBIS gehandicapt sein. Ein Vergleich mit X-T2, X-T3 und X-H1 wäre aber auf jeden Fall interessant. 

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Wir wissen zumindest, dass der neue Prozessor weniger Wärme abgibt. Diese Sparsamkeit erlaubt es erst, die volle Leistung aus nur einer Batterie zu saugen, die dann auch noch länger hält als bei der Vorgängergeneration.

Bei der H1 wurden bekanntlich zusätzliche/größere Kühlkörper eingebaut. Ob und wie sich das auf die Sensortemperatur auswirkt, wäre sicherlich ganz interessant. 

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Bei Conrad kostet das verwendete IR-Thermometer (Voltcraft IR650-16D) nur 40 Euro. Den Emissionskoeffizienten habe ich auf 0,92 gestellt (für Glas und Silizium).

Während der Belichtung hatte ich den Kameradeckel drauf und jeweils nur zum Messen abgenommen. 

Wie gesagt, würde mich schon interessieren.

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Nachdem in diesem Thread die berechtigte Frage aufkam, wie sich X-T2, X-T3 und X-H1 im Vergleich zu X-A1 und X-T20 bezüglich der Sensor-Temperatur und dem dadurch bedingten Rauschen verhalten, ich auf diese Kameras aber nicht zugreifen kann, hat sich Rico freundlicherweise bereit erklärt Vergleichsaufnahmen zu machen und diese mir als komprimiertes RAF zur Verfügung zu stellen.

Nochmals vielen Dank hierfür!

Folgendes Setup wurde verwendet; ISO800 (ohne Langzeitrauschreduktion) mit jeweils zwei Dunkelbildern á 15min unmittelbar hintereinander bei 18°C Raum- und Kamerastarttemperatur. Hierdurch ist es möglich aus dem Anstieg von Verstärkerglühen, Hotpixeln und Rauschen bei der zweiten Aufnahme auch eine Abschätzung über den jeweiligen Temperaturanstieg zu erzielen (Verstärkerglühen ist ein in der Astro-Szene eingeführter Begriff, auch wenn er technisch gesehen nicht ganz korrekt ist).

Die Aufnahmen wurden mit Capture One 12 entwickelt; Rauschen und Schärfung wieder auf Minimum gestellt und die Belichtung um +4LW (also effektiv ISO12800) angehoben, um das Rauschen deutlicher hervorzuheben.

Es wurde einmal das komplette Bild entwickelt und einmal ein Ausschnitt von 1,7% der Sensorfläche bei jeweils 640x427 Pixel JPG-Ausgabe, welches für die X-A1 einem 100% Crop entspricht. Die Bilder wurden zum besseren Vergleich zu einem Bild mit forumsgerechter Bildbreite von 1280 Pixel montiert. Die kompletten Dunkelbilder sind nur als grobe Orientierung zu sehen, da durch die hohe Kompressionrate die farbigen Störpixel kaum noch zu sehen sind. Typisch ist auch die generell geringe Anzahl, der farbigen Störpixel bei den X-Trans-Sensoren der dritten Generation, die offenbar durch einen speziellen Rechenalgorismus erreicht wird, der aber zu den bereits erwähnten Artefakten führt. Bei den X-Trans IV Sensor der X-T3 hat man hierauf wohl wieder verzichtet, zeigt dieser doch wieder das von Bayer-Sensoren bekannte Farbrauschen.

Insgesamt sind die Ergebnisse wieder recht aufschlussreich:

1) Temperaturanstieg während der Belichtung: Bei der X-A1 und der X-T3 ist praktisch kein Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Dunkelbild erkennbar. Bei der X-H1 und X-T20  ein geringer Unterschied; bei der X-T2 der Größte.

2) Verstärkerglühen: Die X-T3 zeigt kein Verstärkerglühen, danach X-T20, X-H1 und X-T2. Die X-A1 kann man schlecht einordnen, da diese ein schwaches aber großflächigeres Glühen zeigt.

3) Rauschen: Hier sind die Unterschiede aufgrund der unterschiedlichen Struktur schwerer zu beurteilen. Ich würde die X-T-20 und die X-H1 etwa gleichauf sehen, danach die X-A1, dann die X-T3 und die X-T2 etwas abgeschlagen.

Punkte                          X-A1    X-T20    X-T2    X-T3    X-H1

           Temperaturanstieg       4           2           1           4          2

Verstärkerglühen           1          3           1           4          2

Rauschen                        3          4          1            2          4

           Gesamt                           8          9          3            8          8

           Gewicht (betriebsb.)   330g    383g    500g    535g    671g

Volumen (ü. Alles)      0,30L   0,40L    0,60L   0,73L   1,17L  

 

Damit bleibt für mich die X-A1 bis auf weiteres, die beste Astro-Kamera, da sie deutlich leichter und kleiner als die anderen Kameras ist. Dies belastet die Nachführung und gegebenenfalls den Teleskopauszug deutlich weniger und minimiert das ohnehin umfangreiche Equipment im Feld und auf Reisen. Außerdem braucht man bei einem Neupreis von 150 Euro (Restposten in 2017) kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man die Kamera durch Ausbau des Chipfilters astro-modifiziert und damit für die Taglichtfotografie nahezu unbrauchbar macht.

Ansonsten bin ich für die „normale“ Available-Light-Fotografie mit der X-T20 gut aufgestellt und brauche mich vorerst nicht nach einer neuen Kamera umsehen.

Warum die X-T2 bei diesem Test relativ gesehen so schlecht abschneidet ist nicht klar. Ob dies systematisch ist oder der Serienstreuung zuzuschreiben ist, kann man aus dem Test einer einzelnen Kamera naturgemäß nicht sagen.

Dunkelbilder 2x15min, ISO800: Von oben nach unten Fuji X-A1 / X-T20 / X-T2 / X-H1 / X-T3

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Dunkelbilder 2x15min, ISO800: Von oben nach unten Fuji X-A1 / X-T20 / X-T2 / X-H1 / X-T3

 

P.S.: Bei den X-Trans III Sensoren sieht man deutlich die Lage des Phasen-AF-Feldes in dem es stärker rauscht

bearbeitet von Ralf_G
Korrektur

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Dunkelbilder (100% Crop) 2 x 15min: Von oben nach unten Fuji X-A1 / X-T20 / X-T2 / X-H1 / X-T3

Dunkelbilder (100% Crop) 2 x 15min: Von oben nach unten Fuji X-A1 / X-T20 / X-T2 / X-H1 / X-T3

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Am 8.1.2019 um 23:22 schrieb Ralf_G:

...

Danke für die Informationen. Ein Lichtblick in dieser Wüste an Faseleien, unbegründeten Vermutungen, beleidigter Leberwursthaftigkeit und kollektivem Stockholm-Syndrom.

Hans

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vor 53 Minuten schrieb Ergueta:

Danke für die Informationen. Ein Lichtblick in dieser Wüste an Faseleien, unbegründeten Vermutungen, beleidigter Leberwursthaftigkeit und kollektivem Stockholm-Syndrom.

Danke für das positive Feedback. Als Naturwissenschaftler bin ich es gewohnt und bin bemüht möglichst objektive  Grundlagen und Ergebnisse für Entscheidungen zu liefern; Dass es in diesem Forum oft so kontrovers zugeht, liegt sicher auch daran, dass die Anforderungen jedes Einzelnen so unterschiedlich sind. In der Regel gilt ja oft und nicht nur hier, je teurer desto besser, dabei sind bei den neueren Kameramodellen hauptsächlich Fortschritte in der Geschwindigkeit, dem Autofokus und den Videofähigkeiten gemacht worden. Wenn man das nicht braucht, ist man mit einem alten Modell gut bedient, da die Fortschritte bei den Sensoren eher marginal sind, da man sich mit der bestehenden Technologie bereits den physikalischen Grenzen nähert.

Viele Grüße aus Griechenland

(zwar dienstlich, aber ich habe doch abends ein paar schöne Bilder mit meiner X-A2 machen können, die ich nächste Woche hier im Forum veröffentlichen werde)

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Am 5.1.2019 um 14:37 schrieb Ralf_G:

Die Sony-Sensoren sind zwar fast ISO-los; aber eben nicht ganz. Laut photonstophotos.net hat die Fuji X-A1 die maximale „Shadow-Improvement“ bei ISO2500

Welcher der viieeeeelen Links dort?

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Am 2.2.2018 um 08:11 schrieb Chorge:

Größter Vorteil der A-Serie dürfte sein, dass Programme wie Fitswork auf BAYER ausgelegt sind, und man somit direkt mehrere RAWs überlagern kann - was leider mit X-Trans nicht geht, zumindest klappt es bei mir nicht...

Mit sequator geht es, und DSS soll es angeblich mit der kommenden Version können.

X-Trans hat natürlich noch den kleinen Nachteil, dass die Rotpixel nur 22% statt 25% aller Pixel ausmachen.

 

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Ok danke. Ist die Frage ob man gewillt ist für 0.22 EV Gewinn in den Schatten auf 3 EV in den Lichtern zu verzichten  (X-E2 200 vs. 1600 Iso).

Wobei das evnt sogar ein Messausreißer ist, denn die X-E2s hat nur 0.13 Gewinn bei 1600.

 

bearbeitet von Chris_MS

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Für die X-E2(S) ist das sicher richtig. Bei den von mir verwendeten X-A1/2 und X-T20 ist der Wert mit 0,5 bzw. 0,6 LW aber schon etwas größer.

Es hängt auch vom Dynamikumfang des fotografierten Objektes ab bzw. wie viele Fotos ich stacken kann bzw. ob ich nachführe.

Den Orionnebel würde ich mit Sicherheit mit ISO200 ablichten. Bei Objekten mit eher geringem Kontrast wie Pferdekopf- oder Nordamerika-Nebel (s.u.) nehme ich aber eher eine etwas höhere ISO (ISO1600-2500 bei X-A1/2 und ISO 800 oder 1000 bei X-T20).

Ebenso bei Nordlichtern, bei denen man nicht sinnvoll stacken kann, da sie sich zu schnell verändern.

 

Nordamerika- und Pelikan-Nebel im Schwan mit Fuji X-A1 (modifiziert) und Canon EF200mm/2.8 bei Blende 4.0, 10x2min + 45x1min belichtet bei ISO1600.

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Sehr schön. Das Motiv hat bei meinem ersten Versuch überhaupt nicht funktioniert. Hast Du in einer "Dunkelgegend" (wenig Light-Pollution) aufgenommen?  

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Das Bild habe ich im letzten Jahr im August in Sankt Andreasberg / Harz gemacht. Nachgeführt wurde mit einem iOptron Skytracker V2.

Dort findet alljährlich im August das empfehlenswerte Sankt Andreasberger Teleskoptreffen (STATT) an der dortigen Sternwarte Sankt Andreasberg statt, deren Initiator und Gründungsmitglied ich bin. Die Bedingungen sind für deutsche Verhältnisse sehr gut, da im Hoch-Harz auf ca. 700m gelegen.

siehe hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sternwarte_Sankt_Andreasberg

und hier: https://www.sternwarte-sankt-andreasberg.de

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