Jump to content

Recommended Posts

Posted (edited)

Werbung (verschwindet nach Registrierung)

[Fiktiv] Tokyo 1968, der Leiter der Kameraentwicklung steht vor einer schweren Eichentür, die sich gerade öffnet:

"Ahh, Maitani-san, kommen sie herein." Auf einem großen Tisch liegt eine Kamera. "Kennt man diese Kamera und was hält man davon?"
"Eine Spotmatic, O-Yamato-sama, wir haben kürzlich eine zerlegt und studiert, aber ich möchte hier ungern mit meiner Meinung belästigen." 
"Ein freies Wort vom Entwickungsleiter ist erwünscht, diese Asahi Kamera verkauft sich auf der anderen Seite des Pazifik wie frisches Sushi, unsere PEN-F dagegen können den Erwartungen der ehrenwerten Kunden immer weniger entsprechen. Wir machen bald Verlust mit unseren Kameras und Olympus braucht schnell das volle 35mm Format, also eine ganz neue Kamera."
"Ja, versteh' ich. Die Spotmatic Kamera ist gut, deshalb wurde sie sicher auch von O-Yamato-sama ausgewählt, aber nicht das, was der Entwicklungsleiter jemals dem O-Yamato-sama anbieten dürfte. Sie ist schwer und groß, das Suchbild dunkel, dieser alte deutsche Schraubanschluss ist eine Fummelei. So etwas kann auch niemals den ehrenwerten Namen Olympus tragen. Der Belichtungsmesser ist allerdings ausgezeichnet. Eine Olympus muss dagegen kleiner und leichter sein, sehr einfach in der Bedienung und auch für unsere Mikroskope und Fernrohre nutzbar. Der Sucher muss daher für das Scharfstellen sehr groß und hell sein, die Kamera insgesamt leise und darf keinen Spiegelschlag aufweisen."
"Gut, wir geben dem Entwicklungsleiter 2 Jahre Zeit für die neue Kamera, sie soll für Wissenschaftler genau so geeignet sein wie für gute Amateure und Berufsfotografen."
"Ja, der Entwicklungsleiter wird sich äußerste Mühe geben, er möchte nicht mit der Meinung belästigen, dass wir dazu einen neuen Verschluss benötigen, der kleiner ist als alle bisherigen. Ein festes Prisma, das wir für so eine kleine und leichte Kamera unbedingt benötigen, erlaubt nur feste Standardmattscheiben. Was wiederum nicht das ist, was wir für Mikroaufnahmen oder Astroaufnahmen wünschen. Bauen wir so klein und leicht wie eine Leica III, passt kein Belichtungsmesser mehr in das Gehäuse. Parallel dazu sind neue Zuikos zu entwickeln. Ein Motor wäre auch schön."
"Maitani-san, wir sind Olympus und Fuji wird uns helfen. Die Entwicklungsabteilung wird den Motor weglassen, entwickeln wir später. Das ist unsere letzte Patrone. Schaffen wir das nicht, müssen wir die Kamerasparte schließen oder uns auf kleine Amateurkameras reduzieren."

Vier Jahre später kam die Olympus M-1 auf den Markt. Eine kleine SLR, die soviel kann wie die großen. Der Rest ist Geschichte. Aus heutiger Sicht ergibt sich die Attraktivität aus der Mischung von geringer Größe mit der Feinmechanik der 60er Jahre. Der schraubbare Blitzschuh (heute teuer und konfus) gehört ebenso dazu wie der Verschlusszeitenring am Bajonett und die FP-X Umschaltung am Blitzkontakt. Die äußere Verarbeitung der silbernen Kameras mit polierten und mattierten Flächen ist im Stil der Feinmechanik der 60er gehalten. Der Kamerabau der 70er Jahre war da schon nüchterner und in Richtung dauernder Kostensenkung durch die Einführung von Kunststoffteilen geprägt. Nur Profimodelle waren davon ausgenommen.

Maitanis Team hat die geringe Größe durch ein paar Tricks erreicht: Die Baubreite des Verschluss wird durch vier schmale Wickelrollen begrenzt, die Höhe durch die Einführung von Rundschnüren statt der zuvor verwendeten Bänder. Die eigentliche Verschlussmechanik oder -Elektronik befindet sich zum großen Teil unter dem Spiegelkasten, Teile der Elektronik unter der Deckkappe. Der Verschlussaufzug ist dazu platzsparend als Klinkenkupplung ausgelegt. Eine separate Feldlinse über der Mattscheibe entfällt, dazu ist die Unterseite des Prismas als Linsenfläche konvex geschliffen. Dadurch kann das Prisma tief in das Gehäusegelegt werden, das war das eigentliche Markenzeichen der OM1 und OM2. Der Belichtungsmesser wandert aus dem Gehäuse nach oben in das grösser als normal ausgeführte Drehrad zur ISO-Einstellung. Spartanisch: Es gibt keine Auslösersperre und auch keine echte Sperre zur Öffnung der Rückwand. Die OM2 besitzt keinen Speicher für den Belichtungswert (dafür aber vier Meßzellen) sondern die Elektronik integriert einfach über das Lichtsignal und löst dann nach Erreichen einer Schwelle den zweiten Vorhang aus. Die späteren Modelle haben dann den sonst üblichen Meßwertspeicher bekommen, verfeinert nochmal für die OM4 und OM3. Der Objektivanschluss wurde nie geändert und erwies sich auch für Programmautomatik geeignet, allerdings bot Olympus nie eine Blendenanzeige im Sucher an. 

Die Kameras:

OM-1N - die mechanische Basiskamera

OM-2 mit Zuiko-Auto 1.4/50mm - Speicherlose Belichtungsautomatik

OM-2spot - Die Entwicklung aus der OM-4, erlaubt Programmautomatik und Spotmessung

OM-10 - Aufbau ähnlich zu OM-1 bis OM-4 aber einfacher im Detail 

 

Fotografisch kenne ich nur die OM1, alle anderen Gehäuse habe ich nur zum Spaß gekauft, oft mit Dellen oder angegriffenen Prismen. Beides ist einfach reparierbar, der Rest ist erstaunlich robust. Selbst wenn man die Wechselbarkeit der Scheiben nicht braucht, erleichtert dies das Reinigen derselben. Es gibt viele Eigenheiten, angefangen vom langsamen Verschluss (X-Zeit 1/60, manchmal auch 1/45) bis zum schwergängigen Zeitenring ohne eigene "Auto"-Raststellung bei OM2-OM4. Ideal platziert ist der +/- Korrekturknopf bei der OM2 und der OM2spot und die Spot-Speichertaste bei den OM3/4. Die OM-Objektive sind sehr nett an unseren Fujifilm-Digicams, die echten "Perlen" sind aber schon recht teuer.

 

 

Edited by raid
Rechtschreibung
Link to post
Share on other sites

Die Blitzintegration war damals vorbildlich und ist trotzdem nach heutigen Gesichtspunkten verwirrend. Für OM1/2 gibt/gab es 8 Blitzschuhe, dazu jede Menge Kabel und Verbindungsstücke. 

OM2N mit T32 und Blitzanschluss mit Systemkabel und Systemanschluß

Das Angebot an Blitz- und Makrozubehör bei Olympus war unübersichtlich, dazu gab es vielfältige Möglichkeiten zur Belichtungsmessung der Kameras. Olympus kam deshalb mit guten Anleitungen zu Hilfe:

Olympus Bedienungsanleitungen

Die geringe Größe der Objektive wird heute noch gelobt, hier ein Vergleich des kleinen OM Zuiko 200mm F5 mit dem Fujifilm XC50-230. Zur Schaffung der Vergleichbarkeit wurde der Adapter am Objektiv belassen. 

OM 200mm F5 im Vergleich zum ubiquitären XC50-230 EBC

Das XC ist also noch kürzer als das wirklich kleine F5/200, was es durch einen Auszug der Fassung bei Zoomen erreicht. Mit dem XC ist es viel einfacher schnell scharfe Bilder zu schießen, das 200mm F5 benötigt fast immer Nacharbeit am Computer. 

 

Link to post
Share on other sites

Es gibt den Maitani-Kameras einige Schwachstellen wie die Prismenflecken bei den früheren OM-1/OM-2 durch klebende Lichtdichtungen, die Spiegelspanneinheit im Aufzug bei der OM-2spot und die Elektronik bei der OM-3/4. Dazu die normalen Sachen wie verklebte Schaumstoffdämpfer am Spiegel und ablösende Lederteile. Die Blitzschuhe der OM-1/2 sind oft rissig, können aber leicht getauscht werden oder man lässt sie ganz weg. 

OM-2N mit sichtbaren Spuren

 

Die einzige Kamera von den den Acht, die nicht 100% funktioniert, weil die Anzeige im Sucher zu gering ausschlägt. Prisma ist aber schon getauscht und Delle am Sucher ausgebeult. Da muss ich aber nochmal ran. Der Boden sieht noch schlimmer aus...

Link to post
Share on other sites

Vielen Dank für die Infos!

Die Olympus OM-2n war meine zweite Kamera nach einer einfachen Porst Spiegelreflex. Sie hat mir lange gute Dienste geleistet und war bis zum Schluss voll funktionstüchtig. Gekauft hatte ich sie mir damals wegen ihrer Kompaktheit und der innovativen Echtzeitbelichtungsmessung auf der Filmebene. Ich habe die Olympus-Ausrüstung, die Rollei Mittelformat und die Canon DSLR erst vor etwa zwei Jahren verkauft als ich mir sicher war, dass ich bis auf weiteres bei Fuji DSLM bleibe. Meine silberne Fuji X-T20 ist vom Aussehen und der Größe ja gar nicht soweit weg von der OM-2n. Damals hatte ich das 50mm/1.8, das 35-105mm Zoom, ein 24mm Tokina sowie den Blitz T32.

VG Ralf

 

Link to post
Share on other sites
Posted (edited)
vor 5 Stunden schrieb raid:

Die Blitzintegration war damals vorbildlich und ist trotzdem nach heutigen Gesichtspunkten verwirrend.

Die OM-2 von 1975 war auch die allererste Kamera mit einer TTL Blitzautomatik.

Leider hat Olympus das OM System durch unfähige Manager, die falsche Entscheidungen trafen an die Wand gefahren (Profis wollen keinen Autofokus).

Edited by octane
Link to post
Share on other sites
vor 22 Stunden schrieb Ralf_G:

Vielen Dank für die Infos!

Die Olympus OM-2n war meine zweite Kamera nach einer einfachen Porst Spiegelreflex. Sie hat mir lange gute Dienste geleistet und war bis zum Schluss voll funktionstüchtig.

In der Retrospektive ist die Entscheidung für eine OM-2 ganz rational und nüchtern begründbar und wegen ihrer Zeitlosigkeit wahrscheinlich eine der billigsten Kameras überhaupt. Und ja, das Fujifilm-X System ist nicht so weit weg von analogen SLR, aber deutlich komplexer.

 

Link to post
Share on other sites
Posted (edited)

Werbung (verschwindet nach Registrierung)

vor 22 Stunden schrieb octane:

Die OM-2 von 1975 war auch die allererste Kamera mit einer TTL Blitzautomatik.

Leider hat Olympus das OM System durch unfähige Manager, die falsche Entscheidungen trafen an die Wand gefahren (Profis wollen keinen Autofokus).

Der Kamerabau hatte bei Olympus (Für mich die japanische Version von Carl Zeiss) wohl nie den Stellenwert wie bei Nikon, Canon und Minolta. Das waren ja auch Kameras für Akademiker und Wissenschaftler. Dem Trend ist Olympus nie gern hinterher gelaufen. Die Objektivpalette blieb vom Anfang der 70er bis 2000 erstaunlich konstant, was zeigt, dass Veränderungen nur sehr behutsam angegangen wurden. Die AF-Filmkameras waren halbherzig umgesetzt und konnten beim der Stammkundschaft nicht punkten. Olympus hat aus den Fehlern gelernt und Digital doch Einiges besser gemacht. Leider nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte.

Edited by raid
Link to post
Share on other sites
Am 25.4.2021 um 17:10 schrieb raid:

...

OM-1N - die mechanische Basiskamera

Eine der schönsten Kameras , die je gebaut wurden.

Meine OM-1n war vor einigen Jahren beim OM-Doktor und läuft wie am ersten Tag.

Das OM-System war schon in den 70ern ein Kleinod, wurde aber leider nicht wirklich massentauglich. Dabei gehörten die Objektive optisch zu den besten, die damals zu bekommen waren. Ohne großes Tamtam wurden sie auch laufend verbessert - nachzulesen in der sehr informativen Olypedia (OM-System – Olypedia). Die zunächst wegen dem Streben nach geringer Größe eher nicht so lichtstarken Objektive wurden später durch lichtstärkere, aber dann auch größere und schwerere Varianten ergänzt. 

Olympus war immer innovativ, aber irgendwie haben sie die Sache immer nur halbherzig verfolgt. Zudem hatten die Entwickler stets einen charmanten, aber fatalen Hang, sich konsequent in eine technische Sackgasse zu manövrieren - auch im digitalen Zeitalter. Die erste, die echte und die einzig wahre OM-D, die E-M5, war 2012 nicht nur technisch ganz weit vorne, sondern auch kommerziell ein ziemlicher Erfolg. Leider hatte Olympus aber schon mit dem FT-System wie bei den (technisch absolut fantastischen) Pen F- und FT-Modellen in den 60ern auf das falsche Pferd gesetzt: der Sensor war einfach zu klein für die Massen, die zeitgleich von den ersten "Vollformat"-EVILs von Sony elektrisiert wurden - obwohl diese eigentlich - außer der Größe des Sensors - nichts zu bieten hatten, was der OM-D das Wasser reichen konnte.

Neben der X-Pro 1 ist die E-M5 nach meiner bescheidenen Meinung einer der Meilensteine der digitalen Ära. Die OM-1 hingegen ist das, was diese zwei nie sein werden: auch nach 50 Jahren ein (feinmechanisches) Meisterwerk, das heute wie damals begeistern kann.

Thomas

 

 

Link to post
Share on other sites
Am 1.5.2021 um 10:36 schrieb ALPHA:

...aber fatalen Hang, sich konsequent in eine technische Sackgasse zu manövrieren...

Aus meiner Sicht ist mFT keine Sackgasse. Die Formatfrage begleitet die Fotografie seit den ersten Anfängen, ohne das ein definitives Ende für ein bestimmtes Format abzusehen wäre. MFT ist sozusagen das kleinste professionale Digitalformat für Bilder und hat noch lange eine Daseinsberechtigung, auch wenn der Ausblick zurzeit eher verhalten ist.

Link to post
Share on other sites

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.
Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

Guest
Reply to this topic...

×   Pasted as rich text.   Paste as plain text instead

  Only 75 emoji are allowed.

×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

×   Your previous content has been restored.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.

  • Recently Browsing   0 members

    No registered users viewing this page.

×
×
  • Create New...