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Notaufnahme


Alsbald

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Der Widerstreit von Wunsch und Wirklichkeit gehört zu unser aller täglichen Wahrnehmungen.
Man kann das Wahrgenommene nun beklagen, beschreiben – und auch im Bild festhalten, mit einer Not-Aufnahme.
Dieses Thema versteht sich in diesem Sinn sodann als Notaufnahme, in der versucht wird, die Gesundheit
der Patienten vielleicht doch noch zu retten, zumindest aber ihre Krankheit zu diagnostizieren
und Ansteckungen vorzubeugen.

Aus dieser Vorrede ist ersichtlich, dass es hier nicht um die Jagd nach dem schönen Bild gehen wird,
sondern der dokumentarische Aspekt der Fotografie im Vordergrund steht. Kleine Wortspenden zur
jeweiligen Aufnahme werden dankend angenommen.

Da das Festhalten von Missgeschicken, wie unten eines ins Bild gesetzt ist, nicht als Privatvergnügen durchgeht,
sollen gern alle mitmachen, die es möchten. (Jekami also.)

Damit ersichtlich ist, was gemeint ist, hier ein erstes Beispiel.

 

Der bedrängte Bahnhof

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Denkmalschutz ist eine feine Sache. Im Prinzip. Doch die Welt ist vielgestaltig und die Probleme, die sie verursacht, sind es nicht selten ebenfalls.

Davon kann dieser Bahnhof im Münchner Norden erzählen. Er stammt noch vom Ende des 19. Jahrhunderts, und deshalb will man ihn bewahrt wissen.
Doch man erkennt die Schwierigkeit: 1892 baute man noch kleiner als heute, und so zerschellt aller guter Erhaltungswille am Geist der Gegenwart
und der gestalterischen Zudringlichkeit, die sich die heutige Architektur mitunter zu Schulden kommen lässt.
Das alte, ja keineswegs spektakuläre Schmuckstück findet sich nun eingezwängt in einer Gebäudemasse, die den Eindruck erweckt, bei ihrer Gestaltung
sei der Computer unvermittelt abgestürzt. Das historische Bauwerk ist nicht gerettet, sondern es verkommt zur Karikatur.

X-H1, XF 18–55 mm (hier: 30 mm), f/9, 1/950 Sek., ISO 400.

Edited by Alsbald
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vor 13 Stunden schrieb Alsbald:

Doch man erkennt die Schwierigkeit: 1892 baute man noch kleiner als heute, und so zerschellt aller guter Erhaltungswille am Geist der Gegenwart

Nach deinem Beispiel, könnte ich, rein kleiner gedacht, auch einfach ne Antiquität in einer modernen Wohnung fotografieren, eingezwängt in die neue Welt,  eine alte Fuji ganz eng zwischen zwei neuen, was ja alles irgendwie  "völlig normal" wäre, wenn man altes bewahrt und mittlerweile "neuer oder anders"  lebt,....nur bei Architektur soll man fünf Kilometer Platz lassen, obwohl man den wohl leider heute und in dieser Stadt mehr denn je braucht, um die ganzen Menschen unterzubringen?  Vielleicht machen sich auch in der unmittelbaren Nachbarschaft  ein paar milliardenschwere "neue historische" Bauten gut, mit Wohnungen,  die sich keiner leisten kann? Sieht natürlich im Foto besser aus, sieht auch so passender aus.

Abgesehen davon habe ich auch deinen Eröffnungspost jetzt schon dreimal gelesen und verstehe die Begrifflichkeit auch nicht so richtig. Da geht es mir wie dem Bahnhof... in unserer ach so komplizierten Welt könnten ein paar einfache Worte auch vielen helfen, etwas zu verstehen. Ich hoffe mal, dass es mir nicht alleine so geht.

und warum soll so ein  Widerspruch kein gutes Bild ermöglichen, sowohl fotografisch als auch dokumentarisch? Es ist nun mal die Realität, wie sie ist und in der Fotografie gibt es ja auch das Licht noch, um sein Bild zu gestalten, da müssen Gegensätze nicht automatisch dazu führen, dass es ein schlechtes wird.  Bei Bildern geht ja auch nicht immer um schön oder hässlich und ein Bild wird auch nicht unbedingt schön, wenn der Inhalt das nicht zulässt, aber es kann trotzdem ein gutes Foto sein, dass eine Situation zeigt, genauso wie eine gut getroffener Augenblick nicht scharf und richtig belichtet sein muss, um ein schönes Foto zu sein.

 

Mein Beitrag. Die Bretagne ist sozusagen meine zweite Heimat, so und rein fotografisch und lichttechnisch  gesehen,  ein Paradies. Da gibt es an einem Tag alles von tiefer Schwärze bis hin zum strahlenden Blau und allem dazwischen was man sich (oder auch nicht) vorstellen kann, bis hin zu völlig mystischen Lichtstimmungen, die einem auf einem Foto keiner abnimmt, obwohl man nichts daran bearbeitet hat.

Auch die Strände haben schon viel erlebt, die Megalithen, die seit Jahrtausenden in Reih und Glied von einer Zeit zeugen, wo es eben anders war, als heute und wo jetzt 200m weg Ferien Siedlungen stehen. Auch nicht schön. Ich war da als dieser Öltanker seinen Inhalt an Land gespült hat und habe mit den Bretonen den Stand gesäubert, da wo die moderne Welt auf die alte traf, die Vögel da lagen und sich nicht mehr rühren konnten. Das fand ich schlimmer als einen alten Bahnhof, eingezwängt in moderne Gebäude. das hat sich bei mir eingebrannt auf meiner  menschlichen Festplatte. In der Natur spiegelt sich für meine Begriffe dieser Gegensatz von Wunsch und Wirklichkeit, wohl am besten wieder. da macht vieles Neue da kaputt, was wir in Zukunft auch noch brauchen, nicht nur zur Erinnerung, sondern zum Leben. 

 

 

 

 

 

 

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vor 5 Stunden schrieb DRS:

 

vor 5 Stunden schrieb DRS:

...Abgesehen davon habe ich auch deinen Eröffnungspost jetzt schon dreimal gelesen und verstehe die Begrifflichkeit auch nicht so richtig. Da geht es mir wie dem Bahnhof... in unserer ach so komplizierten Welt könnten ein paar einfache Worte auch vielen helfen, etwas zu verstehen. Ich hoffe mal, dass es mir nicht alleine so geht...

 

Nein, damit bist du nicht alleine 😉

So ganz kapiere ich es auch nicht 🤷‍♂️

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@Alsbald

Ich verstehe es so: Du hast die Not des alten Bahnhofgebäudes eingefangen, das immerhin - wenn auch eingezwängt von den massigen Neubauten - erhalten geblieben ist.

Ein weiteres Beispiel einer "Notaufnahme" wäre dann vielleicht eine alte Dampflok inmitten von neuen ICEs?

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vor 16 Stunden schrieb lichtschacht:

So ganz kapiere ich es auch nicht 🤷‍♂️

Nun, was kann ich erklären? Not-Aufnahme oder Notaufnahme – es ist ein Wortspiel, und Spiele kann man spielen. Ich kann zu meiner Idee nur so viel sagen, dass es mir damit nicht um den Ernst des Lebens geht, sondern lediglich um ein Spielen damit. Und das Spielgerät ist meine Kamera.

Der Ausgangspunkt ist in etwa der: Mir fällt etwas auf und ich versuche es festzuhalten, obwohl es sich um kein brauchbares Motiv im fotografischen Sinn handelt – und ich mache davon also eine „Not-Aufnahme“. Was dabei herauskommt, ist ein Dokument, und als solches muss es nicht gefallen, sondern einfach nur da sein.

Mit dem Begriff der „Notaufnahme“ verhält es sich hingegen so, dass er den Ort in Kliniken bezeichnet, an dem Patienten eingeliefert werden, bei denen es, salopp gesagt, eng wird, weiter fehlt, bei denen mit Komplikationen zu rechnen ist und sich rasches Handeln empfiehlt.

Vielleicht so: Mit der „Not-Aufnahme“ möchte ich einen Sachverhalt festhalten, den ich für einen Fall für die „Notaufnahme“ halte.

(Nebenbei: Es wird Leute geben, die mir sagen: „Der alte Bahnhof sieht doch ganz okay aus, so gemütlich!“ Mich hingegen schreckt bei seinem Anblick die Hilflosigkeit des Alten gegenüber der Massivität, mit der sich das Neue hier Bahn bricht. Beide Sichtweisen sind denkbar, aber wir sollten es nicht zu einem Aufmarsch der Argumente kommen lassen, welche denn nun die „richtige“ ist. Hissen wir lieber die Off-topic-Fahne und lassen es gut sein.)

Edited by Alsbald
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Jetzt füge ich doch einen kleinen Text meinem Bild hinzu: Es ist eigentlich ein Foto, das zunächst in Streetfotografie eingeordnet werden sollte, aber es ist nun einmal ein Kanal und eine Brücke und einfach keine Straße. Und die Feuerwehr hat es eilig, wahrscheinlich fahren sie zu einem Einsatz, während die Fußgänger unbeirrt über die Brücke oder am Kanal entlang schlendern. So gesehen ist das Bild das zufällige Festhalten eines möglicherweise dramatischen Augenblicks mit Hilfe der Fotografie. Schon ein paar Sekunden später ist das Boot vorbei gejagt und niemand wird sich mehr an den Notfall erinnern.

Vielleicht fahren die Feuerwehrleute aber auch einfach nur in die nächste Espressobar - wer will das denn schon so genau wissen?

Edited by Mike_Puc
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Am 25.2.2024 um 11:35 schrieb Mike_Puc:

Vielleicht fahren die Feuerwehrleute aber auch einfach nur in die nächste Espressobar

Das wäre dann sozusagen die Not-Aufnahme eines Espressos.

Gemeint ist das Thema aber freilich anders, als fotografisches Festhalten von Entgleisungen, Fehlentwicklungen oder einfach gestalterischen Missgeschicken,
die sich hinter irgendwelchen Vorwänden verstecken. (Deshalb fasziniert mich etwa die Gestaltung insbesondere von Rückleuchten neuer Autos. Der Vorwand: "Kreativität" ...)

Edited by Alsbald
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In Bayern würde man den morgendlichen, sonntäglichen Blick auf den Potsdamer Platz etwa so kommentieren: "Für ein Fünferlei durcheinander"!

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Diagnose: Kreativ-Koma

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X-T20, XF 18–55 mm (hier: 48 mm)

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Absolute Notaufnahme. Ich kam nicht weit genug weg, wegen falscher Brennweite, musste aber von dieser ominösen und  brandgefährlichen WLAN Verbindung ein Bild machen. Am Ende wäre wohl ein Screenshot besser gewesen als ein Foto.

Der Inhalt ist brisant, aber die Gefahr war es wert. 

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  • 2 months later...
Posted (edited)

Der Gefangene

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In Freiheit streife er als Einzelgänger durch ein Jagdrevier mit einer Fläche von fünfzig Quadratkilometern. Das ist auf der Tafel zu lesen,
die die Zooverwaltung vor seinem Gehege angebracht hat. Dieses weist kaum die Größe eines Vorortsgrundstücks auf.
Er wirkt apathisch. Die Freiheit kennt er nicht, aber die Gefangenschaft missfällt ihm. Er empfindet nicht wie ein Mensch, aber er leidet wie ein Tier.
Schwarzweißdenken?

X-T20, XF 55–200 mm (hier: 200 mm), f/4.8, 1/100 Sek., ISO 200

Edited by Alsbald
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So etwas in der Art? Das Schild sagt: "Fahrräder abstellen verboten" 😁

Nachtrag:
Vielleicht heißt es aber "anlehnen", dann wäre es ja wieder OK. Man will ja nicht davon ausgehen, dass Italiener Verbote missachten. :)

Edited by Lenz Moser
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