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Reproduktion Kulturerbe - Vergleich Fuji, Hasselblad, Phase-One Kameras


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Am 15.8.2025 um 11:53 schrieb mjh:

Nein. Mein Eindruck ist, dass sich die Tester mit der Reproduktion von Bildern und anderen Artefakten auskennen – also eben der sehr speziellen Aufgabe, um die es hier geht –, aber nicht so sehr mit der Kamera- und Fototechnik. Oder nur so weit, wie es für ihren Job nötig ist.

Ein wenig aussagefähiger Test, aber von den Bildern und der Ausrüstung her richtig starke Show. Auf letzteres kam es wohl an. Die Tester sind wohl reine Anwender, sie beachten die dafür vorgegebenen Norm (FADGI) und nutzen das Werkzeug, was für ihre Anwendung passt und wie es mehr oder weniger aus der Kiste kommt. Das ist natürlich bei weitem nicht ausreichend für einen kritischen Test. Es fällt auf, dass dem Autor nicht richtig klar ist, was eine Eichung oder Kalibrierung ist und warum man eine solche durchführt. In Bezug auf die GFX100 würde man (richtigerweise) alle Parameter der Kamera in Verbindung mit dem sonstigen Equipment so einstellen dass diese den Anforderungen oder der Norm entsprechen, nicht zufälligerweise irgendwelche Standardparameter setzen, von denen man glaubt, dass es schon gut sei. Ausnahme davon nur, wenn es der Standard explizit vorgibt. Die Automatik einfach abschalten, da sie eine Variable darstellt. Dazu muss man keine 6 GFX100 einsetzen.

Richtigerweise benötigt man für einen ernsthaften Test das gleiche Objektiv für alle Kameras, oder zumindest eines, von dem man weiß, dass es für den Abbildungsmaßstab auch geeignet ist. F11 ist als verwendete Blende bei der neuen Sensorgeneration grenzwertig, besonders in Verbindung mit der reduzierten Schärfung. Kein Wunder, dass der größte (alte) Sensor hier am besten abschneidet. Ein verzeichnungsfreies Objektiv ist (m.M.n.) für Reproduktionen eigentlich ein Muss, wichtiger als das ganze Farbmanagement. Die richtige Farbe gibt es eigentlich nicht, weil jedes Werk unter verschiedenen Beleuchtungen entstanden ist, gezeigt wird und sich verändert. Die richtige Form schon. Mein Eindruck ist, dass die GFX100 leicht auf den FADGI Standard zu bringen ist, man muss es halt tun (und können). Die Auflösung ist ja wohl schon im Single Shot Modus ausreichend, dass wäre der einzige Punkt, den man nicht durch den Workflow ändern kann.           

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Am 15.8.2025 um 19:27 schrieb RVerygood:

Und die Museen, grosse Archive etc. arbeiten mit diesen Systemen und P1 lässt sich das vergolden. Ich will dem Verfasser dieses Test nicht zu Nahe treten. Aber wer verkauft diese Systeme hauptsächlich? Und wenn jetzt Fuji kommt und an der Vormachtstellung rüttelt, muss man dagegenhalten.

War auch mein erster Gedanke. Fuji hat die GFX von Anfang an auch sehr offensiv als besonders geeignetes Werkzeug zur Digitalisierung von Kulturgut promotet und da war (oder ist noch?) Phase One nun mal der Platzhirsch. Insofern kann man das schon mal hinterfragen, wenn da der derzeitige CEO von "Capture Integration" (Zitat von der Website:"In September of 2010, Capture Integration was awarded the coveted “Phase One Partner of the Year” award for the second time in our short existence") und zudem noch ehemalige Capture One Regional Sales Manager seinen Namen unter einen solchen Vergleich setzt.

Übrigens nur mal so am Rande zur Einordnung in den Kontext deutscher Gedächtnisinstitutionen:

Archive und Bibliotheken verwenden zur Digitalisierung aufgrund der dort vorrangig beherbergten Form der Bestände eher Scanner oder Buchscanner (letztere faktisch modifizierte Kamerasysteme), während in Museen wegen der Plastizität und Größe der Objekte oftmals auch zusätzlich traditionelle Kamerasysteme Verwendung finden. Über zentralisierte Fachabteilungen, die sich professionell um Digitalisierungsaufgaben kümmern, die Einhaltung von Standards gewährleisten etc., verfügen in der Regel nur die ganz großen Kommunen, Museen oder Museumsverbünde. Ansonsten erfolgt die Digitalisierung gerade bei kleineren Museen in Hinsicht auf technische Standards oftmals relativ unkontrolliert und im besten Fall noch durch jemanden, der sich da entsprechend reingefuchst hat. Zumeist sind das Volontäre, die dann aber nach dem Volontariat nicht immer übernommen werden und deren Nachfolger*in dann wieder von vorne anfängt. Das stellt durchaus ein Problem dar. Natürlich wird auch noch über externe Dienstleister digitalisiert, was dann einen Segen darstellt, wenn die Firma über entsprechende Erfahrungen verfügt. Zum Fluch wird es aber immer dann, wenn das nicht der Fall ist und auch das Museum die Anforderungen nicht klar beschreiben kann - leider kein Einzelfall.

Wichtig zudem: Es existieren aktuell zwar Archiv- und Bibliotheksgesetze, welche die digitale Langzeitarchivierung für diese Einrichtungen auf eine rechtliche Grundlage stellen, aber solche Regelungen erstrecken sich nur im Einzelfall auf den Museumsbereich. Museen sind also derzeit noch nicht generell zur Langzeitarchivierung nach bestimmten Standards verpflichtet und wenn diese trotzdem vorgenommen wird, ist das Einbringen der notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen in die entsprechenden Haushalte vor diesem Hintergrund schwierig. Da wundert es dann auch nicht, wenn vor allem die tausenden kleineren Museen jenseits der oben genannten Kommunen und Verbünde erst gar nicht über das Equipment verfügen, über das hier diskutiert wird und für welche die Fadgi bzw. Metamorfoze-Richtlinien - wenn überhaupt bekannt - dann wohl auch eher ein theoretisches Konstrukt darstellen. Wenn Standards hier eine Bedeutung haben, dann die vergleichsweise oberflächlichen Digitalisierungsleitlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), deren Einhaltung dann im Zweifelsfall mitentscheidend für die Bewilligung von Drittmitteln ist.

Nicht, dass ich jetzt Fadgi und Metamorfoze und die daraus resultierende Diskussion, ob eine GFX die entsprechenden Kriterien jetzt schlechter erfüllt als eine Hasselblad oder Phase One nicht als  interessant erachten würden, aber an den Realitäten für einen großen Teil des deutschen Museumswesens geht das total vorbei. Und wenn es (hoffentlich nicht!) wieder mal zu einem solchen GAU kommen sollte, wie es der Zusammenbruch des Kölner Stadtarchivs 2009 dargestellt hat, dann werden wir froh sein, die ganzen nicht normgerechten Bilder von einer GFX bis hin zum iPhone zu haben, um unser kulturelles Gedächtnis zu bewahren. 

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Am 15.8.2025 um 19:27 schrieb RVerygood:

Und jeden morgen muss ein Lenscal durchgeführt werden. Und in CaputreOne wurde es über die Objektivanpassung passend gemacht. Anschliessend LED Lichter einschalten, fünf Minuten warten bis die Helligkeit "richtig" ist. Dann wird das im Bericht gezeigte FADGI ISO Chart aufgenommen fotografiert und mittels einer weiteren Software, wird die Aufnahme analysiert und erst nach der Freigabe durch die Software, darfst du mit der Arbeit beginnen. Das ist ein ganz schöner Aufwand und ich habe mich oft gefragt, ob dies für Manuskripte oder Briefkopien ohne jeglichen künstlerischen Wert, wirklich nötig ist.

Das muss letztlich jedes Haus selbst entscheiden, aber ich sehe das prinzipiell genauso. Für das Gros der Objekte ein kaum vertretbarer Zeit- und Kostenaufwand. Aber kommt natürlich im Einzelfall auch immer darauf an, welches Ziel mit der Digitalisierung verfolgt wird und welche technischen Anforderungen daraus dann entstehen bzw. natürlich auch, ob restauratorische Aspekte der einen oder anderen  Form der Digitalisierung entgegenstehen. Hier gilt es, die Bestände geschickt zu Clustern und sich dann für das geeignete Verfahren zu entscheiden. Bei sehr heterogenen Sammlungen kann es dann auch schon mal sein, dass mehrere Verfahren parallel Anwendung finden (müssen). Aber um das zu entscheiden braucht es Beratung und eine möglichst präzise Vorstellung davon, welchen Sinn und Zweck die Digitalisate langfristig erfüllen sollen. 

bearbeitet von zaphod
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vor 12 Stunden schrieb zaphod:

...aber an den Realitäten für einen großen Teil des deutschen Museumswesens geht das total vorbei. 

Bei den Preisen für die vorgestellte Ausrüstung mit Licht, Software und Reproeinrichtung samt geschultem Personal gilt dies auf jeden Fall. 

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Am 20.8.2025 um 13:34 schrieb raid:

Die Tester sind wohl reine Anwender

.. die Tester sind Verkäufer in den USA die viele professionelle Kunden bedienen und dabei nicht nur rezitieren was in den Prospekten gesagt wird sondern selbst praktisch probieren und auswerten, wenn ich das richtig verstanden habe.
Sie wollen damit sicher stellen, ihrer Kundschaft die bestmögliche Beratung für deren Probleme geben zu können.

Ich finde den Ansatz schon klasse.
Sie verkaufen neben anderen Systemen auch Fuji, Hasselblad und Phase-One.

(siehe deren Website www.captureintegration.com)

bearbeitet von lookbook
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vor 2 Stunden schrieb lookbook:

Sie wollen damit sicher stellen, ihrer Kundschaft die bestmögliche Beratung für deren Probleme geben zu können.

Ich finde den Ansatz schon klasse.

Ja, schon, aber bei der Umsetzung sind ihnen halt handwerkliche Fehler unterlaufen, die den Wert ihrer Testergebnisse beeinträchtigen.

Mir fällt da spontan Roger Cicala ein, der Gründer von Lens Rentals. Wenn man seine Artikel liest, auf seinem Blog (https://www.lensrentals.com/blog/author/roger/), bei DPReview oder anderswo, dann merkt man schnell, dass er viel schlauer ist, als er für seinen Job – Lens Rentals vermietet, wie der Name sagt, Objektive und Kamerazubehör – eigentlich sein müsste. Aber natürlich profitieren seine Kunden von diesem Wissen. Mittlerweile hat er sich aber wohl aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen.

Bei Capture Integration habe ich dagegen den Eindruck, dass sie sich mit diesem Test etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Es war gut gemeint, aber nicht so gut gemacht, wie es wünschenswert gewesen wäre.

bearbeitet von mjh
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Am 15.8.2025 um 13:44 schrieb mjh:

Bei dieser Nonchalance in der Objektivwahl verwundert es dann auch nicht mehr, wenn die Tester feststellen, dass ein Fehler (wie in diesem Fall eine Inkonsistenz der Belichtung) mit sechs verschiedenen Kameras, zwei verschiedenen Kameramodellen und zwei verschiedenen Verschlussverfahren auftritt, aber überhaupt nicht auf die doch naheliegende Idee kommen, dass die Fehlerquelle bei der Komponente liegen könnte, die immer dieselbe war: nämlich dem Objektiv.

Diese Aussage wird dadurch unterstrichen, dass andere Global Player in diesem Markt mit einem Scansystem auf Basis einer GFX100SII anscheinend keine Probleme haben, die höchsten Qualitätsstufen der genannten FADGI- und Metamorfoze-Richtlinien zu erfüllen. Siehe hier: https://www.zeutschel.de/scannen-in-perfektion-die-mittelformatkamera-fujifilm-gfx100s-als-herzstueck-des-aufsichtscanners-zeutschel-os-a. Als Objektiv wird auf den Produktphotos - oh Wunder - ein GF63/2.8 verwendet. 

bearbeitet von zaphod
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